Materialien
Vortrag und weiterführende Literatur
Hintergrund
Wie digitale Systeme Geschlechtervorstellungen prägen
Künstliche Intelligenz arbeitet mit gesellschaftlich geprägten Daten. Bereits vorhandene Geschlechterskripte gehen deshalb in ihre Ergebnisse ein. Empfehlungsalgorithmen erhöhen zugleich die Sichtbarkeit von Inhalten, die starke emotionale Reaktionen auslösen. Auf diese Weise können stereotype oder radikalisierende Darstellungen eine große Reichweite erzielen.
Der Vortrag untersucht zunächst die Tradwife-Ästhetik. Sie verbindet ein an die 1950er-Jahre angelehntes Frauenbild mit der Inszenierung von Hausarbeit und Mutterschaft. Die Unterordnung unter den Ehemann erscheint dabei als selbst gewählte Erfüllung. KI-gestützte Bildproduktion erleichtert die fortlaufende Herstellung der dafür typischen Bildwelten.
Anschließend richtet sich der Blick auf die Manosphere. In diesen Online-Milieus werden antifeministische Deutungen mit Vorstellungen männlicher Überlegenheit verbunden. Ihre Motive finden inzwischen auch über Motivations- und Erfolgsinhalte Verbreitung. Dadurch erreichen sie ein Publikum, das mit der ursprünglichen Begriffswelt der Manosphere möglicherweise nicht vertraut ist.
Ein weiteres Beispiel sind KI-generierte Influencerinnen. Der Vortrag greift beispielhaft die Kunstfigur Larissa Wagner auf, die seit dem Bundestagswahlkampf 2025 rechte politische Botschaften verbreitet. Ihre Gestaltung verbindet politische Kommunikation mit einer sexualisierten und nahbar wirkenden Darstellung.
Die Beispiele verweisen auf gemeinsame strukturelle Bedingungen. Trainingsdaten enthalten historisch gewachsene Verzerrungen. Auch die Entwicklung und Anwendung von KI-Systemen ist von bestehenden Machtverhältnissen geprägt. Plattformen verstärken Inhalte anhand von Aufmerksamkeit und Interaktion. Ihre gesellschaftlichen Folgen bleiben dabei häufig unberücksichtigt.
Der Vortrag endet mit kritisch-reflektiven Prüffragen für die Auseinandersetzung mit digitalen Geschlechterbildern. Gefragt wird nach dem vermittelten Menschenbild und nach der Verteilung von Handlungsmacht. Weitere Fragen betreffen die emotionale Wirkung und die Funktion der ästhetischen Gestaltung. Damit werden die Beispiele für die politische Bildungsarbeit erschlossen.
Die Seite dokumentiert den Vortrag im Rahmen des Frauensalons der Akademie für Frauen am Heinrich Pesch Haus vom 14. September 2026. Die Präsentation und das Literaturverzeichnis stehen hier dauerhaft zur Verfügung.
Zitation
How to cite
Vanderheiden, E. (2026). Frauenbilder im Zeitalter Künstlicher Intelligenz: Vortrag und Begleitmaterialien (Version 1.0.0) [Educational resource]. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.21804689