Forschung und Entwicklung

Forschungsprojekte

2025–2026

TRACE

Teacher-Related Affective Climate and Emotions

Das Forschungsprojekt TRACE untersucht das Schamerleben Studierender im indischen Hochschulkontext und fragt danach, wie dieses Erleben durch das Verhalten der Lehrenden, durch kulturelle Konzepte von Scham und Ehre sowie durch die soziale Positionierung der Studierenden in Bezug auf Kaste und Geschlecht geprägt wird. Grundlage der Studie ist die Befragung von 535 Studierenden einer privaten Universität im Westen Indiens, mehrheitlich weiblich mit einem Anteil von 66,4 Prozent, überwiegend jung und mehrheitlich in ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen eingeschrieben.

Empirisch stützt sich TRACE auf ein dreidimensionales Modell der Scham. Die kognitive Dimension erfasst das Schamgefühl, das entsteht, wenn Studierende eine Frage nicht beantworten können, den Stoff nicht verstehen oder das Gefühl haben, die Grundlagen eines Fachs nicht ausreichend zu beherrschen. Die performative Dimension betrifft Situationen öffentlicher Sichtbarkeit, etwa Präsentationen, mündliche Prüfungen oder Fehler, die vor der Gruppe sichtbar werden. Die relationale Dimension bezieht sich auf das Schamgefühl, das aus gestörter Zugehörigkeit, Ausgrenzung oder sozialer Abwertung innerhalb der Lerngruppe entsteht.

Ergänzt wird dieses Modell durch vier kulturelle Schamkonzepte, die im indischen Kontext besonders bedeutsam sind. Lajjā bezeichnet eine internalisierte, häufig mit Bescheidenheit und Zurückhaltung verbundene Form von Scham. Vrīḍā beschreibt eine Form des Schamerlebens, die enger an moralisches Fehlverhalten und dessen soziale Bewertung gebunden ist. Apatrāpya erfasst die Scham, die aus dem Bewusstsein entsteht, den Erwartungen einer Respektsperson oder Autorität nicht zu entsprechen. Izzat schließlich bezieht sich auf die Ehre der Familie und der Gemeinschaft, die durch akademischen Erfolg oder Misserfolg der Studierenden unmittelbar berührt wird.

Neben diesen kulturellen Konzepten widmet sich TRACE der Frage, wie Kaste und Geschlecht das Schamerleben im Hochschulkontext mitbestimmen. Erfasst werden sowohl Diskriminierungserfahrungen und das Verschweigen der eigenen Kastenzugehörigkeit als auch Stolz auf das eigene kulturelle Erbe, während geschlechtsspezifische Muster für alle drei Schamdimensionen und für die vier kulturellen Konzepte gesondert ausgewertet werden.

Die Datenerhebung erfolgte mittels eines umfangreichen, anonymen Fragebogens, ergänzt durch offene Fragen zu konkreten Erlebnissen im Unterricht sowie durch ein Body-Mapping-Verfahren zur körperlichen Verortung von Scham.

Projektteam
Dr. Hitesh Yadav und Dr. Shagun Varshney, Ganpat University, Mehsana, Gujarat, sowie Elisabeth Vanderheiden, Global Institute for Transcultural Research.